Inspiriert von Anton Kner: "Zeit haben ist keine Zeitfrage"
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"Ich habe keine Zeit" ist wohl die weitverbreiteste und zu gleich
schlechteste Ausrede die es gibt. Zeit ist etwas, das uns nie ausgehen
wird (außer vielleicht mit dem Tod?) und von dem wir alle gleich viel
haben. Vielmehr beschreibt diese Ausrede, dass man keine Lust oder
etwas wichtigeres zu tun hat. Was ja auch in Ordnung ist, aber um es mal
klar zu stellen, "Nein, Briefmarkensammlungen interessieren mich nicht"
oder "Ich sauge lieber Staub, als mit dir ins Kino zu gehen" wären hier
die ehrlichen Antworten gewesen.
Natürlich kennen wir diesen Satz auch aus dem Berufsleben (soweit eines vorhanden ist). Wo wir vielleicht
bei einem Freund noch fragen, was er denn so wichtiges zu tun hat,
wagen wir es bei unserem geschäftlichem Gegenüber nicht. Seine Aussage
zeigt uns, dass er viel mehr zu tun hat als wir und somit natürlich
auch erfolgreicher ist.
So geschah es, dass der Satz gesellschaftlich anerkannt wurde und jeder
der noch freie Zeit zur Verfügung hatte, wurde verächtlich,
schräg und von der Seite angesehen oder bekam noch ordentlich Arbeit
aufgedrückt. Da so auf einmal alle Angestellten keine Zeit mehr für die
täglich Arbeiten hatten, wurde das sog. Zeitmanagement angeschafft. Da
kommt eine sehr teure Person in den Betrieb (die seltsamer weise auch
kaum Zeit für Termine hat) und optimiert dann die Arbeitswege und
reduziert die Doppelarbeit. Dadurch muss man dann nicht mehr seine
Kaffeetasse mehrfach abwaschen und auch nicht wegen jeder Kleinigkeit
zu Frau Müller in den Nebenraum, dass man dann einen orthopädischen
Hüpfball benötigt, wegen der langen, eintönigen Sitzhaltung, hat aber
mit dem Zeitmanagement nichts mehr zu tun. Vielmehr kam durch ein damals
neues Betriebssystem das Modewort "Multitasking" in Mode. Es wurde
herausgefunden, dass das Gehirn auch etliche Dinge gleichzeitig
bewältigt und somit dies auch von uns Menschen gefordert wurde. So waren wir komplett ausgelastet und das auch noch doppelt. Als Ausweichreaktion nahmen viele ihre Arbeit mit nach Hause und private Probleme mit auf die Arbeit. Dass dies nicht gut gehen kann ist klar, da der Mensch sich eben doch nur auf eine Sache konzentrieren kann.
Aber die Kinder! Denkt denn niemand an die Kinder?! Achja, natürlich, die
müssen auch so erzogen werden. Böser Malte, du hast vergessen,
dass du zwischen Schule und Fußballtraining noch Schach und Töpfern
hast. Zur Strafe darfst du heute deine Deutschhausaufgabe nicht machen.

Jetzt aber mal ernsthaft: bestimmte Dinge brauchen
ihre Zeit (was für ein alter Satz, aber scheinbar kommt alles wieder in
Mode). Die Mutter von Malte sollte so etwas wie Charakter- und
Werteentwicklung in seinen Terminkalender schreiben, aber das dürfte ja
inzwischen allen klar sein. Zeit ist ein kostbares Gut und deswegen
sollte man sich selber etwas davon nehmen. Jedoch ist es nicht so kostbar, dass man damit geizen sollte. Auch einsparen funktioniert
nicht. Man kann nur Dinge schneller erledigen, damit andere nach
rutschen. Das führt dann aber zu einer Ereignisvermehrung, die uns
aushöhlt, denn das Erleben von so vielen Ereignissen bedeutet noch
lange nicht, dass man das Wesentliche erfassen konnte.
Zeit ist also das, was uns fehlt, wenn sich zu viel ereignet... Hier hilft dann nur Reduktion, Ereignisreduktion.
Das waren die Gedanken eines Menschen der zu viel
Zeit hat. Zu viel Zeit um eine Website zu administrieren, die keiner
liest und dann auch noch einen Text zu verfassen, damit sich die Leute
ihm anpassen sollen und nicht andersherum. Aber ich will doch nur das Beste für euch. Sich einer Sache 100% hinzugeben, mit Vor- und Nachspiel (die
sexuelle Anspielung ist nicht beabsichtigt und entsprang nur deiner
Fantasie. Vielmehr beziehe ich mich drauf, dass man sich auf ein
Ereignis vorbereitet und wenn es vergangen ist, darüber natürlich
nachdenkt) bringt einem mehr als zehn Dinge gleichzeitig zu tun. Aber
nicht nur für sich selbst kann es eine Verbesserung sein. Auch anderen
Menschen kann etwas sehr wertvolles gegeben werden, wenn man ihnen seine
komplette Zeit und Aufmerksamkeit gibt.
Noch eine interessante Anekdote dazu: Bei Star Trek - The Next
Generation gab es eine Außerirdische Rasse, die El Aurianer, die genauso aussahen wie Menschen, aber der entscheidende Unterschied war, dass sie im
ganzen Universum für ihr gutes Zuhören bekannt waren. Es ist doch sehr
erstaunlich, mit welch einfachen Eigenschaften eine fremde Rasse
erschaffen werden kann. Und noch erstaunlicher, wie leicht wir diesen Unterschied akzeptieren (Zumindest alle Trekkie-Nerds ;)
Wenn also noch einmal jemand zu dir sagt: "Tut mir leid, ich habe keine Zeit", lass es nicht durchgehen. Wenn sich herausstellt, dass er/sie/es nur für dich keine Zeit hat, solltest Du es auch wissen, damit Du deine Zeit nicht an solchen Personen verschwendest.
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