Der südkoreanische Antikriegsfilm von Je-gyu Kang aus dem Jahre 2004 erzählt die Geschichte zweier Brüder die in den Koreakrieg von 1950–1953 zwangsrekrutiert werden. Während sie anfangs beide für Südkorea in den Krieg ziehen, verändert der Krieg ihre Einstellung und sie stehen sich bald als Feinde gegenüber. Dieser häufig vergessene und filmisch selten thematisierte Krieg kostete mehreren Millionen Menschen das Leben. Die US-Airforce warfen mehr als 450.000 Tonnen an Bomben über Nordkorea ab — ein vielfaches mehr als in Vietnam. Er galt als Stellvertreter-Krieg im »Kalten Krieg«, da die USA und China sich beteiligten. Der Film ist überraschenderweise sehr aufwendig produziert und inszeniert und kann mit US-Produktionen locker mithalten. Wer sich bei »Saving Private Ryan« übergeben musste, sollte sich diesen Film besser nicht ansehen. Er zeigt den Krieg in seiner radikal-häßlichen Weise und ist streckenweise sehr brutal. Gelungen ist auch die Darstellung des zunehmenden Hasses auf beiden Seiten. Der Film schafft es, für keine Seite Partei zu ergreifen, da Kriegsverbrechen beider Fraktionen schonungslos gezeigt werden. Es ist ein harter, brutaler, aber auch sehr ergreifender Film. Empfehlenswert!
Zur Erinnerungskultur
Da wir dieser Tage wieder himmelhochjauchzende Erinnerungskultur pflegen und vor allem uns selbst feiern, möchte ich an dieser Stelle einmal an eher unangenehme Ereignisse der Vergangenheit erinnern. Unsere westliche — ach so fortschrittliche — und menschenliebende Kultur möchte diese Ereignisse gerne vergessen sehen. Zum Beispiel das Massaker von Jedwabne im Jahre 1941 von der deutschen Besatzungsmacht in Polen verübt. Die jüdische Bevölkerung wurde in Scheunen zusammengetrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt. Knapp 400 Menschen kamen so qualvoll ums Leben. Oder das Massaker von My Lai im Jahre 1968 im Zuge des Vietnam-Krieges von US-Truppen begangen. Über 500 Zivilisten wurden von US-Truppen brutal vergewaltigt und ermordet. Wir brauchen auch gar nicht soweit in die Vergangenheit reisen. Was sich dieser Tage im Irak und in Afghanistan abspielt, wird Massakern der Vergangenheit sicher gerecht werden.
Angesichts dieser Ereignisse halte ich eine Selbstbeweihräucherung für äußerst bedenklich. Aber vermutlich bin ich nur ein Miesmacher ;)
Wissen ist relativ III
Bis jetzt haben die Begriffe Charakter und Bewusstsein in unserer kleinen Enzyklopädie gefehlt. Nun sind sie aber wie alle vierstimmig vertreten. Weiterlesen auf zeitgeistlos.de
Super-Bomben-Obama
Die USA stehen kurz vor der Fertigstellung einer neuen Super-Bombe, die im Falle eines Einsatzes tief im Erdreich verborgene Militäranlagen zerstören kann. Der 30.000 Pfund schwere »Massive Ordnance Penetrator« (MOP) könne sich durch das Erdreich graben und »Einrichtungen von feindlichen Staaten« zerstören, die dem Bau von Massenvernichtungswaffen dienten, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell am 8. Oktober in Washington. Morrell wollte nicht ausdrücklich bestätigen, dass sich die Bombe gegen Staaten wie Iran oder Nordkorea richte, die nach Einschätzung der US-Geheimdienste in unterirdischen Anlagen an Atombomben arbeiteten. »Man kann nicht über die möglichen Ziele dieser Bombe spekulieren«, sagte der Sprecher.
- Iran-Report Nr. 11/2009, 8. Jahrgang, herausgegeben von der Heinrich-Böll Stiftung, Seite 15
Anmerkung: Wie es scheint, hat der US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis wahrlich verdient, oder?
Faschismussprech
Es scheint bei einer schwarz-gelben Bundesregierung kennt die bürgerliche Presse kein Halten mehr. Mit aller sprachlichen Härte versucht nun, z.B. die WELT, faschistisches Denken massentauglich zu machen:
Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht. Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung.
Neusprech: Beschäftigung
»Beschäftigung ist die nichtselbständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers«
- Sozialgesetzbuch 4, Paragraph 7, Absatz 1
Der Begriff »Beschäftigung« ist im deutschen in zweifacher Hinsicht inhaltlich besetzt. Die erste Definition gibt an, dass ein Mensch eine körperliche oder geistige Tätigkeit vollführt: sich-mit-etwas-beschäftigen. Als Gegensatz zur sog. Langeweile, des vermeintlich nicht aktiv-seins. Die zweite Definition ist eine Gleichsetzung mit dem Begriff der »Lohnarbeit«: als »beschäftigt« und »Beschäftigter« in Deutschland gilt, wer einer Lohnarbeit nachgeht. Weiterlesen
Zur Politikverdrossenheit
»Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt«
- Erich Fried (auch bei ZG)
»Ich möchte hier sitzen!«
Für alle, die es noch nicht kennen. Loriots Klassiker der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wenn es doch nur Satire wäre und der Realität nicht so nahe kommen würde ;)
Der Autovirus
»In Deutschland sind drei weitere Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Damit gibt es jetzt bislang sechs Todesopfer der Infektionskrankheit.«
- Meldung aus der süddeutschen Zeitung vom 31. Oktober 2009
Anmerkung: Wieviele Menschen sterben in Deutschland jährlich an Krebs? Wieviele an Aids? Und vor allem wieviele Menschen sterben jährlich in Deutschland an Auto-Unfällen? Gibt es dagegen auch eine Impfung? Vielleicht weniger oder gar kein Auto mehr fahren? Oder hat die mächtige Autolobby was dagegen? Ach ne, dagegen gab es ja die Abwrackprämie, oder? ;)
ZG-Rückblick: »Eiszeit?«
Meteorologisch wurde diesen Monat, recht verfrüht, die kalte Jahreszeit eingeleutet. Hat sich das Wetter dem durchscheinenden sozialen Klima angepasst, welches sich in den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen ankündigt? Oder ist es nur ein Vorurteil, dass vor allem die Liberalen bei Machtbeteiligung zwingend zu verschärften sozialen Bedingungen führen müssen? Weiterlesen